Digital Manifest

Die Wissenschaftler Dirk Helbing , Bruno S. Frey , Gerd Gigerenzer , Ernst Hafen , Michael Hagner , Yvonne Hofstetter , Jeroen van den Hoven , Roberto V. Zicari und Andrej Zwitter haben in mehreren Artikeln ihr „Digital Manifest“ auf der Website von Spektrum der Wissenschaft veröffentlicht. Sie liefern zahlreiche aktuelle Daten und Beschreibungen neuerer Entwicklungen und Anwendungen wie „Deep Learning“, „Big Nudging“ und „Citizen Scores“, warnen vor einer „Automatisierung der Gesellschaft durch Algorithmen und künstliche Intelligenz“ und formulieren ihren „Appell zur Sicherung von Freiheit und Demokratie.“
Abschließend formulieren sie ihre zur Reflexion und zur Diskussion anregende
„Strategie für das digitale Zeitalter.

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Blog: Medien als Werkzeuge der Weltaneignung

Der Kollege Wolf-Rüdiger Wagner erkundet weiterhin spannende historische Quellen zu seinem Thema „Medien als Werkzeuge der Weltaneignung“ und publiziert in seinem Blog Einsichten fördernde Zusammenhänge zu aktuellen Entwicklungen. Ich empfehle die neuen Einträge

Medialitätsbewusstsein (2):”Photographie und Himmelskunde”

1846 – 2016: Die Entdeckung von Planeten durch das „geistige Auge“ der Mathematik

Der Blog dokumentiert auch zahlreiche ältere Arbeiten von ihm,
darunter die direkt für den Unterricht geeigneten Materialien zu WebQuests, für ihn „ein didaktisches Konzept, bei dem es um problemorientiertes, selbstständiges und kooperatives Lernen geht.“

Einigung bei der EU-Datenschutzreform – Thematisierung in der GMK wichtig!?

Nach mehrjährigen Verhandlungen wird am 17.12. 2015 im federführenden Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres des Europäischen Parlaments über die Datenschutz-Grundverordnung „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und freier Datenverkehr“
und über die Richtlinie „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die zuständigen Behörden zum Zwecke der Verhütung, Aufdeckung, Untersuchung oder Verfolgung von Straftaten oder der Strafvollstreckung sowie freier Datenverkehr“
abgestimmt werden. Erst am 15.12. wurden die letzten Kompromissformulierungen zwischen Europäischem Parlament, Ministerrat und Europäischer Kommission beschlossen: http://www.emeeting.europarl.europa.eu/committees/download.do?docUrl=http%3A%2F%2Fwww.europarl.europa.eu%2Fmeetdocs%2F2014_2019%2Fplmrep%2FCOMMITTEES%2FLIBE%2FDV%2F2015%2F12-17%2F3_consolidated_text_EN.pdf

Jan Philipp Albrecht, Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments für die Datenschutzverordnung, hob hervor:
„Das neue EU-Gesetz wäre in dieser Form ein Riesenschritt für starke Verbraucherrechte und mehr Wettbewerb im digitalen Zeitalter. Die Verordnung gibt den Nutzern die Entscheidung über ihre persönlichen Daten zurück.“ (Quelle)
Die Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 15.12. hebt hierzu neben diversen Erleichterungen für die Industrie u.a. hervor:
„Die neuen Vorschriften stärken die bestehenden Rechte und geben den Bürgern mehr Kontrolle über ihre Daten. Im Mittelpunkt stehen folgende Aspekte:
– Einfacherer Zugang zu den eigenen Daten: Es wird besser über die Art und Weise, wie die Daten verarbeitet werden, informiert. Diese Informationen müssen klar und verständlich sein.
– Recht auf Datenübertragbarkeit: Personenbezogene Daten können einfacher von einem Anbieter auf einen anderen übertragen werden.
– Eine Klärung des „Rechts auf Vergessenwerden“: Wenn die Betroffenen nicht möchten, dass ihre Daten weiter verarbeitet werden, und es keine legitimen Gründe für deren Speicherung gibt, müssen die Daten gelöscht werden.
– Das Recht zu erfahren, ob Daten gehackt wurden: Unternehmen und Organisationen müssen z. B. die nationale Aufsichtsbehörde so bald wie möglich über schwere Verstöße gegen den Datenschutz informieren, damit die Nutzer geeignete Maßnahmen ergreifen können.“

„Die Datenverarbeitung in den Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften der Union muss den Grundsätzen der Notwendigkeit, Verhältnismäßigkeit und Rechtmäßigkeit genügen und mit angemessenen Vorkehrungen zum Schutz des Individuums einhergehen. Sie unterliegt der Aufsicht durch unabhängige nationale Datenschutzbehörden, und es muss für einen wirksamen Rechtsschutz gesorgt werden.
Die Richtlinie für den Datenschutz bei Polizei und Strafjustiz enthält klare Regeln für den Transfer personenbezogener Daten aus der EU, um zu gewährleisten, dass der in der EU dem Einzelnen garantierte Datenschutz nicht ausgehöhlt wird.“

Nach Zustimmung durch EU-Ministerrat und EU-Parlament gäbe es dann ab 2018 ein gemeinsames Datenschutzgesetz für alle Länder der EU .

 
Erste Reaktionen heben hervor, dass dann „künftig einheitliche Spielregeln für alle Unternehmen gelten, die auf dem europäischen Markt tätig sind. Dies stärkt die Rechte der Verbraucher und den fairen Wettbewerb.“ (so z.B. Klaus Müller. VZBV)

Eine abwägende erste Einschätzung gibt Peter Schaar in seinem Blog

Für das eigene Verständnis der Inhalte und Folgen und für Überlegungen zur zukünftigen medienpädagogischen Bearbeitung der Thematik werden wir viel Arbeit benötigen. Ich halte dies für eine wichtige Aufgabe für die GMK – ihr auch?

Nachtrag: Bei netzpolitik.org gibt es eine erste „Sammlung von Presseartikeln und Reaktionen von beteiligten Politiker*innen und Verbänden“.
Einige gut verständliche Erläuterungen sind bereits bei futurezone.at/ zu finden.

Diskussionswert: “Gewährleistungsziele“

Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder hat “Das Standard-Datenschutzmodell – Konzept zur Datenschutzberatung und -prüfung auf der Basis einheitlicher Gewährleistungsziele“ veröffentlicht.
Für die auch in der GMK teilweise kontroverse medienpädagogische Fachdiskussion können die dort aus Gesetzen und Grundrechten abgeleiteten sieben “Gewährleistungsziele“ eine hilfreiche Anregung und Strukturierung bieten:
Die altbekannten Schutzziele der Verfügbarkeit, Integrität und Vertraulichkeit werden erweitert um die spezifisch auf den Schutzbedarf von Personen ausgerichteten Ziele der Gewährleistung von Nichtverkettbarkeit, Transparenz und Intervenierbarkeit.
Als erstes übergreifendes Ziel wird “Datensparsamkeit“ definiert – nicht individualistisch verkürzt wie in manchen medienpädagogischen Broschüren und Projekten, sondern als systemische Anforderung an den gesamten Prozess der Erhebung und Verarbeitung.
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Das komplette 44-seitige Papier kann als PDF-Datei herunter geladen werden.

Ich empfehle die Rezeption.

MekoKitaService

Heute erhielt ich den Newsletter MekoKitaService November 2015 mit dem Schwerpunktthema Werbung – auch diesmal wieder eine sachlich fundierte, vielfältige und anregende Praxishilfe der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM), die ich ausdrücklich empfehlen möchte.
Die monatlich für das Modellprojekt „Medienkompetenz-Kitas NRW“ von erfahrenen Kolleginnen zusammengestellten und z.T. auch neu erstellten Materialien sind dank LfM und dank Internet für alle Interessierten auch außerhalb von NRW kostenfrei erhältlich.
Hier können Sie den MekoKitaService abonnieren: http://www.meko-kitas-nrw.de/index.php?id=814

MIKE-Studie 2015

Zusätzlich zu den Ergebnissen der erneuten Durchführung der JAMES–Studie Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz 2014
wurden gerade Ergebnisse der – wiederum in Kooperation mit dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest durchgeführten – ersten repräsentative Studie über das Mediennutzungsverhalten von sechs bis zwölf Jahre alten Kindern in der Schweiz vorgestellt: MIKE-Studie 2015 – Medien, Interaktion, Kinder, Eltern

Ähnlich wie in Deutschland – siehe KIM-Studie 2014 – zeigt sich z.B.
„Handy/Smartphone, Computer/Laptop, Internetzugang und Fernsehgerät gehören zur Standard-Ausstattung der meisten Haushalte mit Kindern in der Schweiz“ (S. 29)

„Medienerfahrungen sind für Kinder in der Schweiz ein zentraler Teil ihres Alltags.“ (S.80)

„Die Themen Gewalt und Pornographie im Online-Kontext machen den befragten Eltern am meisten Sorgen.“ (S.78)
Deutlich hervorgehoben wird demgegenüber in der Studie: „Ähnlich wie bei den Fernsehinhalten machen Kinder in der Schweiz häufiger positive als negative Erfahrungen mit Internetinhalten.“ (S.49)

Auffällig ist die höhere Nutzung von Youtube bei Mittelstufenschülerinnen und -schülern in der Schweiz: „76 % dieser Kinder nutzen YouTube mindestens einmal pro Woche und schauen sich online Videos an, 40 % tun dies sogar jeden oder fast jeden Tag.“ (S.45) Bei der Interpretation ist sicher zu beachten, dass die Datenerhebung etwa sechs Monate später erfolgte als in Deutschland.

Die komplette Studie mit ihren differenziert dargestellten Ergebnissen, Interpretationen und einigen Vergleichen mit Ergebnissen der KIM-Studie kann als
PDF-Datei herunter geladen werden.

Medienkompetenzpreis Mitteldeutschland

Vor einer Woche wurde in Erfurt erstmals der Medienkompetenzpreis Mitteldeutschland vergeben.
Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM), die Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) und die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM), zusammengeschlossen in der Arbeitsgemeinschaft der mitteldeutschen Landesmedienanstalten, hatten gemeinsam mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) diesen Preis im März ausgelobt. Er wird in fünf Kategorien an Projekte in den drei Bundesländer verliehen:
– Medienkompetenzprojekt für/ mit Kinder/n bis 12 Jahre
– Medienkompetenzprojekt für/ mit Jugendliche/n von 13 bis 19 Jahre
– Medienkompetenzprojekt für/ mit Erwachsene/n
– Bestes Produkt
– Beste Idee für die Realisierung eines Medienkompetenzprojektes

Erfreulich:
– Hier wird sachgerecht kooperiert.

– Die Preisauslobung ist keine isolierte Aktion, sondern eingebettet in regelmäßige Fortbildungs-, Unterstützungs- und Vernetzungsangebote der drei Medienanstalten.

– Es werden Aktivitäten aus der Region hervorgehoben und vernetzt.

– Wie beim bundesweiten Dieter-Baacke-Preis geht es nicht nur um die Bewertung von Projektergebnissen: „Das Anliegen der vier Partner ist es, die Bedeutung und die Qualität von Projekten sowie Ideen aus der Region hervorzuheben, die in herausragender Weise darauf abzielen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen bewussten, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit Medien nahe zu bringen.“ (MDR)

– Es wurden zahlreiche preiswürdige Projekte eingereicht.

– In den Auswahlgremien und in der Hauptjury sind GMK-Mitglieder gut vertreten.

Bedauerlich:
Der Preis wird (vorerst?) nur für 2015, 2017 und 2019 ausgelobt.

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