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MIKE-Studie 2015

Zusätzlich zu den Ergebnissen der erneuten Durchführung der JAMES–Studie Jugend, Aktivitäten, Medien – Erhebung Schweiz 2014
wurden gerade Ergebnisse der – wiederum in Kooperation mit dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest durchgeführten – ersten repräsentative Studie über das Mediennutzungsverhalten von sechs bis zwölf Jahre alten Kindern in der Schweiz vorgestellt: MIKE-Studie 2015 – Medien, Interaktion, Kinder, Eltern

Ähnlich wie in Deutschland – siehe KIM-Studie 2014 – zeigt sich z.B.
„Handy/Smartphone, Computer/Laptop, Internetzugang und Fernsehgerät gehören zur Standard-Ausstattung der meisten Haushalte mit Kindern in der Schweiz“ (S. 29)

„Medienerfahrungen sind für Kinder in der Schweiz ein zentraler Teil ihres Alltags.“ (S.80)

„Die Themen Gewalt und Pornographie im Online-Kontext machen den befragten Eltern am meisten Sorgen.“ (S.78)
Deutlich hervorgehoben wird demgegenüber in der Studie: „Ähnlich wie bei den Fernsehinhalten machen Kinder in der Schweiz häufiger positive als negative Erfahrungen mit Internetinhalten.“ (S.49)

Auffällig ist die höhere Nutzung von Youtube bei Mittelstufenschülerinnen und -schülern in der Schweiz: „76 % dieser Kinder nutzen YouTube mindestens einmal pro Woche und schauen sich online Videos an, 40 % tun dies sogar jeden oder fast jeden Tag.“ (S.45) Bei der Interpretation ist sicher zu beachten, dass die Datenerhebung etwa sechs Monate später erfolgte als in Deutschland.

Die komplette Studie mit ihren differenziert dargestellten Ergebnissen, Interpretationen und einigen Vergleichen mit Ergebnissen der KIM-Studie kann als
PDF-Datei herunter geladen werden.

miniKIM 2014, Kleinkinder und Medien

Nach der JIM-Studie 2014 für die 12- bis 19-Jährigen und der KIM-Studie 2014 für die 6- bis 13-Jährigen veröffentlichte der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) im Mai 2015 „miniKIM 2014 Kleinkinder und Medien“, seine zweite repräsentative „Basisuntersuchung zum Medienumgang 2- bis 5-Jähriger in Deutschland„.

Die Ergebnisse bestätigen erneut, dass auch die frühe Kindheit schon Medienkindheit ist, dass aber das Label „Digital Natives“ eine missverständliche Pauschalisierung darstellt und dass „Drinnen spielen“ und „Draußen spielen“ immer noch die häufigsten Aktivitäten sind.

Trotz (oder wegen?) der vielen Aufklärungsprojekte und -broschüren wird von den Erziehenden das Internet überwiegend „mit negativen Effekten wie Einfluss auf die Gewaltbereitschaft (56 %), dem Kontakt mit ungeeigneten Inhalten (61 %) sowie dem „Stubenhocken“ (53 %) in Verbindung gebracht.“ (S. 27). Insgesamt „sind knapp neun von zehn Haupterziehern der Meinung, das Internet sei für Kinder gefährlich.“ (S. 32)

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Die komplette Studie kann als PDF-Datei kostenfrei herunter geladen werden.

Sichere Suche im Netz

Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zur Nutzung von (Kinder-)Suchmaschinen. zeigt, dass nur wenige Eltern mit ihrem Nachwuchs Kindersuchmaschinen nutzen. Gerade für die ersten Schritte im Netz sollten Eltern jedoch auf kindgerechte Angebote wie zum Beispiel „Blinde Kuh“ zurück greifen, damit Surfanfänger nicht auf ungeeignete Inhalte stoßen. Doch auch geeignete Suchmaschinen ersetzen nicht die Aufmerksamkeit und Begleitung der Eltern beim Umgang ihrer Kinder mit dem Internet. Daher wird Eltern geraten gemeinsam mit ihren Kindern im Internet zu surfen und ihnen somit den Einstieg in die virtuelle Welt zu erleichtern.

 

Link

UN-Bericht zur Bedeutung des Internet für die Informations- und Meinungsfreiheit

Wichtige Argumente für die medienpädagogische Fachdiskussion:

Frank La Rue, der „Special Rapporteur on the promotion and protection of the right to freedom of opinion and expression“ der Commission on Human Rights der Vereinten Nationen hat am 16.05.2011 seinen aktuellen Bericht vorgelegt.
Er betont darin die durch das Internet erheblich ausgeweiteten Möglichkeiten der Individuen „to seek, receive and impart information and ideas of all kinds instantaneously and inexpensively across national borders“. (S. 19) Die Ausübung dieses Grundrechtes über das Internet müsse deshalb mit so wenig Einschränkungen wie möglich sichergestellt werden und dürfe nur in wenigen, im internationalen Recht anerkannten Ausnahmen eingeschränkt werden.
„He also stresses that the full guarantee of the right to freedom of expression must be the norm, and any limitation considered as an exception, and that this principle should never be reversed.“ (S. 19)

Vor diesem Hintergrund äußert er sich kritisch zu aktuellen Themen wie
– Blocken oder Filtern von Internetinhalten
– Kriminalisierung von Ausdrucksformen im Internet
– mangelhafter Schutz der Rechte auf Privatheit und Datenhoheit

Die Versuche, neue Gesetze zur Sperre des Internetzugangs wegen Urheberrechtsverletzungen zu etablieren – wie z.B. in Frankreich und England – werden zudem als Verstoß gegen Artikel 19, Absatz 3 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte – UN-Zivilpakt bezeichnet.

gthiele

Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, Öffentliche Anhörung zum Thema Medienkompetenz

Am 13. Dezember 2010 äußerten sich zehn Expertinnen und Experten zu einem von der Kommission vorgelegten Fragenkatalog

und beantworteten die anschließenden Fragen der Kommissionsmitglieder.

Die GMK war zwar nicht eingeladen, aber gut vertreten durch die GMK-Mitglieder Stefan Aufenanger, Kathrin Demmler und Jürgen Ertelt.

Zusammenfassend wird im Bericht auf der Website  der Kommission festgestellt.

„Medienkompetenz wird immer wichtiger, um am politischen und sozialen Leben teilnehmen zu können. In dieser Einschätzung waren sich die … geladenen Experten einig. Um zu einem selbstbestimmten Umgang mit den neuen Medien befähigt zu werden müssten daher Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Lehrer intensiv und frühzeitig geschult werden.“

Die hier genutzte Formulierung „müssen … geschult werden“ korrespondiert mit dem Begriff „Vermittlung von Medienkompetenz“, der in mehreren Fragen an die  Sachverständigen genutzt wurde. Beide verweisen auf ein überholtes Verständnis von Lernprozessen.

Die Sachverständigen legten vorab schriftliche Stellungnahmen vor, die als PDF-Dateien zur Verfügung stehen.

Die gesamte Anhörung steht zum Download bereit und kann auch online angesehen werden.

Die hiermit auch öffentlich zugänglichen Sachverständigenstatements lassen sich mit geringem Aufwand gut als Arbeitsmittel für medienpädagogische Fortbildungen nutzen.

Für mich besonders anregend waren statements von zwei in der medienpädagogischen Szene eher unbekannten Sachverständigen:

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin skizzierte „eine spezifische Medienkompetenz, welche Jugendliche und Erwachsene zugleich benötigen: die Kompetenz im informierten Umgang mit den Risiken und Unsicherheiten digitaler Technologie, kurz: digitale Risikokompetenz. … Diese Kompetenz hat eine kognitive und eine motivationale Komponente: Risikoverständnis und digitale Selbstkontrolle.“  Es erscheint mir lohnend, sich mit den damit verbundenen Überlegungen und Erkenntnissen näher zu beschäftigen.

Prof. Dr. Klaus P. Jantke, Leiter der Abteilung Kindermedien am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie – IDMT plädierte für die stärkere Erforschung und Nutzung von digitalen Spielen für die Förderung des Erwerbs von Medienkompetenz und verwies auf entsprechende eigene Entwicklungen. Ein schönes Zitat aus seinem vorgelegten Text:  „Ob man das mag oder nicht, … es besteht kein Zweifel, dass in großer Zahl Jugendliche in WORLD OF WARCRAFT Teamkompetenz und sogar Teamführung gelernt haben. Es besteht auch kein Zweifel, dass bestimmte Technologiekompetenz erworben wird, einfach durch das Bestreben, die Medien zu beherrschen.“

Es erscheint mir lohnend, sich auch mit den Erfahrungen und Erkenntnissen am IDMT näher zu beschäftigen.

Um die Öffentlichkeit stärker in die Arbeit der Kommission einzubeziehen, wurde u.a. auch ein „Forum: Medienkompetenz“ auf der Website der Kommission eingerichtet . – eine Chance, die wir stärker nutzen könnten.     „Als Medienpädagogen sollten wir uns mit einbringen und unsere Statements und Forderung sichtbar machen.“ (Irene Schumacher)

gthiele