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Medienkompetenztag: „Einfach mal abschalten?!“ | Hamburg | 09. April

Viele Menschen empfinden die steigende Kommunikationsgeschwindigkeit und Erreichbarkeit zumindest zeitweise als Belastung. Auf dem Medienkompetenztag wird der Frage nachgegangen, ob medienfreie (Zeit)Räume heutzutage sinnvoll oder notwendig sind und (wo) man überhaupt noch abschalten kann.

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„Eckpunktepapier“ des BreMeKo – Runder Tisch zur Bremer Medienkompetenz

Ein Schritt voran:
In Bremen wurde unter Beteiligung zahlreicher „stakeholder“, darunter der GMK-Regionalgruppe, das Eckpunktepapier des von der Senatskanzlei initiierten BreMeKo – Runder Tisch zur Bremer Medienkompetenz fertig gestellt.

Im gemeinsam entwickelten Leitbild wird definiert: „BreMeKo bedeutet, Medienkompetenz für alle zu erreichen – für alle Menschen, alle Orte und für alle Medien.“
Als gemeinsames Verständnis von Medienkompetenz, „mit dem eine umfassende Vorstellung von Kompetenzen im Hinblick auf Medien vertreten wird“ wird recht knapp formuliert: „Sie bezieht sich auf den Umgang mit Information und Wissen, auf Kommunikation und Kooperation, auf Identität und Selbstfindung wie auch auf produktiv-gestaltenden Umgang und ein angemessenes Verständnis virtueller Wirklichkeiten.“ (S. 5)

Der in Bremen realisierte Ansatz einer recht umfassenden Beteiligung erbrachte inhaltlich fundierte und aus der Kenntnis der sozialräumlichen Gegebenheiten erwachsene praxisrelevante Vorschläge.
Einzelne Abschnitte zeigen aber auch die Problematik der Durchsetzung von Partikularinteressen, (notwendiger?) Kompromisse und der parallelen Beteiligung von Mitarbeitenden der Senatsverwaltungen an der Konzepterstellung.
So wird z.B. zum wichtigen Thema Finanzierung nur knapp und desillusionierend formuliert:
„Die Finanzierung der einzelnen Angebote wird weiterhin von den heutigen Trägern vorgenommen. Folgt man den Empfehlungen, wird eine Aufstockung des Bedarfs aus öffentlichen Mitteln unumgänglich sein. Soweit dies nicht möglich ist, muss geprüft werden, inwieweit zusätzliche Maßnahmen, die sich aus den Aufgaben der Koordinierungsstelle ergeben, von den heutigen Trägern oder aber durch die Beteiligung Dritter, insbesondere Unternehmen und Verbänden, getragen werden können.“ (S. 16)

Hintergrund:
In der Koalitionsvereinbarung 2007 -2011 von SPD und Grünen wurde der Ausbau der Angebote „zur Vermittlung von Medienkompetenz“ (S. 108).mit einem Satz sehr knapp als ein medienpolitisches Ziel definiert. Die Senatskanzlei des Landes Bremen initiierte dann im August 2010 den Runden Tisch zur Bremer Medienkompetenz – BreMeKo, an dem sich alle Institutionen des Landes, die sich mit Medienkompetenzförderung befassen, beteiligen können sollten.
Mit dem ersten Ziel einer Bestands- und Bedarfsermittlung wurden sieben Arbeitsgruppen gebildet.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden beim 2. Runden Tisch Bremische Medienkompetenz im Januar 2011 vorgestellt. Zugesagt wurde daraufhin: „Sie bilden die Grundlage für das Leitbild, das sich Bremen für die Medienkompetenzvermittlung geben will. Dann werden auch die zentralen Fragen einer möglichen neuen Organisationsstruktur und auch der Finanzierung diskutiert werden.“
Als erste Forderungsrealisierung wurde die erste Version eines „Medienkompetenzatlas“ vorgelegt, in dem 28 Anbieter und Angebote rund um das Thema Medienkompetenz auf einer Google maps – Karte eingetragen sind.
Die Koalitionsvereinbarung 2011 -2015 enthielt dann schon deutlich ausführlichere und differenziertere Aussagen, die denen des aktuellen Papiers „Eckpunkte“ nahe stehen.
Das Eckpunktepapier wurde von den Leitern und Leiterinnen der sieben Arbeitsgruppen gemeinsam mit den Mitarbeitern der Senatsverwaltung verfasst.

Die „zentrale Frage der Finanzierung“ wird wohl noch weiter bearbeitet werden müssen.

gthiele

Brandenburg: Konzept für die „Stärkung der Medienkompetenz“

In Brandenburg wurde im Dezember 2010 im Landtag eine Entschließung „Stärkung der Medienkompetenz“ angenommen. In ihr wird Medienkompetenz nicht nur wie sonst vielfach als „Schlüsselqualifikation in der Informationsgesellschaft“ benannt, sondern auch als „Grundfrage selbstbestimmten Lebens und freier Entscheidungsmöglichkeiten“ bezeichnet. Die Landesregierung wird in der Entschließung aufgefordert, „bis zum September 2011 unter Einbeziehung geeigneter Experten und Institutionen ein Konzept für die weitere Stärkung der Medienkompetenz zu erarbeiten und dem entsprechenden Landtagsausschuss vorzulegen. Ziel dieses Konzeptes soll es sein, die altersgemäßen Maßnahmen und Angebote zur Förderung der Medienkompetenz abzustimmen und zu bündeln.“

Zur Umsetzung wurde im federführenden Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg eine interne Arbeitsgruppe eingerichtet.
Michael Kaden, Leiter der AG, lud nun zu einer „Diskussion mit externen Experten und Institutionen“ ein. Die GMK war hier u.a. durch vorbereitete Stellungnahmen von Ilka Goetz, BITS 21 im fjs e.V. zur Elementarbildung, Karl-Heinz Himmelmann, Hochschule Lausitz zur Seniorenbildung und Matthias Specht, LAG Multimedia Brandenburg e.V. zur Jugendbildung vertreten.

Zur Srukturierung waren drei Leitfragen vorgegeben:
„1. Welchen Stellenwert messen Sie der Medienkompetenzförderung bei und wie begründen Sie diese Einschätzung?
2. Welche Zielgruppe(n) sollte(n) gegenwärtig im Mittelpunkt stehen?
3. Wo besteht konkret Handlungsbedarf zur „Stärkung der Medienkompetenz“ im Land Brandenburg?“

Durchgängig wurde in den Beiträgen der Expert/inn/en betont, dass konkreter Handlungsbedarf in allen Zielgruppen besteht und dass – ganz im Sinne der Initiative Keine Bildung ohne Medien – nicht kurzfristige Aktionen, sondern breitenwirksame und nachhaltige Maßnahmen notwendig sind, die auch dauerhaft finanziert werden.
Herr Kaden sagte auf meine Bitte hin zu, dass der jetzt von der internen Arbeitsgruppe zu erstellende Konzeptentwurf allen Beteiligten rechtzeitig zur Stellungnahme zugeschickt werden wird.

gthiele

Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, Öffentliche Anhörung zum Thema Medienkompetenz

Am 13. Dezember 2010 äußerten sich zehn Expertinnen und Experten zu einem von der Kommission vorgelegten Fragenkatalog

und beantworteten die anschließenden Fragen der Kommissionsmitglieder.

Die GMK war zwar nicht eingeladen, aber gut vertreten durch die GMK-Mitglieder Stefan Aufenanger, Kathrin Demmler und Jürgen Ertelt.

Zusammenfassend wird im Bericht auf der Website  der Kommission festgestellt.

„Medienkompetenz wird immer wichtiger, um am politischen und sozialen Leben teilnehmen zu können. In dieser Einschätzung waren sich die … geladenen Experten einig. Um zu einem selbstbestimmten Umgang mit den neuen Medien befähigt zu werden müssten daher Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und Lehrer intensiv und frühzeitig geschult werden.“

Die hier genutzte Formulierung „müssen … geschult werden“ korrespondiert mit dem Begriff „Vermittlung von Medienkompetenz“, der in mehreren Fragen an die  Sachverständigen genutzt wurde. Beide verweisen auf ein überholtes Verständnis von Lernprozessen.

Die Sachverständigen legten vorab schriftliche Stellungnahmen vor, die als PDF-Dateien zur Verfügung stehen.

Die gesamte Anhörung steht zum Download bereit und kann auch online angesehen werden.

Die hiermit auch öffentlich zugänglichen Sachverständigenstatements lassen sich mit geringem Aufwand gut als Arbeitsmittel für medienpädagogische Fortbildungen nutzen.

Für mich besonders anregend waren statements von zwei in der medienpädagogischen Szene eher unbekannten Sachverständigen:

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin skizzierte „eine spezifische Medienkompetenz, welche Jugendliche und Erwachsene zugleich benötigen: die Kompetenz im informierten Umgang mit den Risiken und Unsicherheiten digitaler Technologie, kurz: digitale Risikokompetenz. … Diese Kompetenz hat eine kognitive und eine motivationale Komponente: Risikoverständnis und digitale Selbstkontrolle.“  Es erscheint mir lohnend, sich mit den damit verbundenen Überlegungen und Erkenntnissen näher zu beschäftigen.

Prof. Dr. Klaus P. Jantke, Leiter der Abteilung Kindermedien am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie – IDMT plädierte für die stärkere Erforschung und Nutzung von digitalen Spielen für die Förderung des Erwerbs von Medienkompetenz und verwies auf entsprechende eigene Entwicklungen. Ein schönes Zitat aus seinem vorgelegten Text:  „Ob man das mag oder nicht, … es besteht kein Zweifel, dass in großer Zahl Jugendliche in WORLD OF WARCRAFT Teamkompetenz und sogar Teamführung gelernt haben. Es besteht auch kein Zweifel, dass bestimmte Technologiekompetenz erworben wird, einfach durch das Bestreben, die Medien zu beherrschen.“

Es erscheint mir lohnend, sich auch mit den Erfahrungen und Erkenntnissen am IDMT näher zu beschäftigen.

Um die Öffentlichkeit stärker in die Arbeit der Kommission einzubeziehen, wurde u.a. auch ein „Forum: Medienkompetenz“ auf der Website der Kommission eingerichtet . – eine Chance, die wir stärker nutzen könnten.     „Als Medienpädagogen sollten wir uns mit einbringen und unsere Statements und Forderung sichtbar machen.“ (Irene Schumacher)

gthiele

Deutsche fordern mehr Medienerziehung

Auch wenn es mir bei der Formulierung ‚Deutsche fordern’… ein wenig gruselt: Wenn sie mehr Medienerziehung fordern, kann ich mich damit versöhnen. Jedenfalls ist diese Formulierung Ergebnis einer ZDF-Politbarometer-Umfrage. Dokumentiert sind zentrale Ergebnisse der Umfrage bei Schauhin.

97 % der Befragten halten die Vermittlung von Medienkompetenz für wichtig oder sehr wichtig. Nur 2 % für weniger wichtig oder unwichtig. Besonders bemerkenswert: Der Begriff Medienkompetenz scheint zumindest bei den Befragten allgemein bekannt zu sein! Das ist doch schon einmal ein erster Erfolg.

Antithese: „Nichtspielen ist ein Zeichen fehlender Sozialkompetenz“

Diese These vertritt eine aktuelle Studie der Havard University aus Massachusetts. Eine klare Antithese zu Pfeiffer, Spitzer und Co. Mit deren Verteufelungen von Computerspielen wird aufgeräumt. So formuliert Cheryl K. Olson, leitende Wissenschaftlerin der Studie, in einem Interview (übersetzt in Spiegel Online): Die Menschen sollten aufhören, sich über Kinder, die viele Games spielen, Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Weiterlesen